In einem Feld ohne geschützte Berufsbezeichnung und ohne staatliche Prüfung entsteht ein Vakuum, und Anbieter füllen es. Google, Meta, HubSpot und eine Reihe weiterer Unternehmen vergeben Zertifikate für die Bedienung ihrer eigenen Produkte; Akademien und Kursanbieter vergeben Zertifikate für die Teilnahme an ihren eigenen Kursen. Beides wird in Bewerbungen ausgiebig genannt, und beides wird von denen, die einstellen, anders gelesen, als die Bewerbenden vermuten. Dieser Text ordnet die Nachweise dieses Feldes und sagt bei jedem, was er tatsächlich belegt.
Die drei Sorten von Nachweisen
Anbieterzertifikate. Ausgestellt von dem Unternehmen, dessen Produkt geprüft wird – Google Ads, Google Analytics, Meta Blueprint, HubSpot und ähnliche. Sie werden online abgelegt, sind teilweise kostenlos, und sie laufen ab. Was sie belegen: dass Sie die Oberfläche eines bestimmten Produkts kennen. Was sie nicht belegen: dass Sie mit einem Budget umgehen, eine Kampagne aufbauen oder ein Ergebnis beurteilen können.
Öffentlich-rechtliche Fortbildungsabschlüsse. Fortbildungen der Kammern nach dem Berufsbildungsgesetz, etwa Fachwirtabschlüsse. Sie beruhen auf Rechtsverordnungen, werden vor einer Kammer geprüft, dauern in der Regel berufsbegleitend ein bis zwei Jahre und sind in Systeme der beruflichen Bildung eingeordnet. Das ist die einzige Sorte in diesem Feld, die einem Abschluss entspricht.
Kurszertifikate privater Anbieter. Ausgestellt von dem Anbieter, der den Kurs verkauft. Das Zertifikat bescheinigt damit die Teilnahme an dem Kurs, der es ausstellt – der Wert hängt vollständig vom Ruf des Anbieters ab, und dieser Ruf ist von außen schwer zu prüfen.
Was Anbieterzertifikate wirklich leisten
Sie sind nützlicher, als ihr Ruf in Bewerbungsverfahren vermuten lässt – nur an einer anderen Stelle.
Als Lernanlass taugen sie gut. Die Prüfungsfragen zwingen dazu, die Systematik eines Produkts vollständig durchzugehen statt nur die drei Funktionen zu benutzen, die man ohnehin kennt. Wer ein Anzeigensystem im Alltag bedient, findet in der Vorbereitung regelmäßig Einstellungen, die er übersehen hat.
Als Zugangsvoraussetzung sind sie in bestimmten Fällen verbindlich: Agenturen, die ein Partnerprogramm eines Anbieters nutzen wollen, müssen eine bestimmte Zahl zertifizierter Beschäftigter nachweisen. Dort werden Zertifikate nicht gewünscht, sondern gebraucht – und wer sie mitbringt, löst ein Problem der Agentur.
Als Nachweis von Können sind sie schwach. Die Prüfungen sind in überschaubarer Zeit zu bestehen, häufig ohne Praxis, und das wissen die Menschen, die Bewerbungen sichten.
Warum sie ablaufen – und was das bedeutet
Anbieterzertifikate sind zeitlich begrenzt und müssen erneuert werden; wie lange sie gelten, legt der jeweilige Anbieter fest und ändert es gelegentlich. Das ist folgerichtig, weil sich die Produkte ändern – und es ist der Grund, aus dem ein sechs Jahre alter Nachweis im Lebenslauf eher schadet als nützt.
Praktisch heißt das: Nennen Sie Anbieterzertifikate mit Jahr, und nennen Sie nur gültige. Ein abgelaufenes Zertifikat ohne Datum ist ein Anlass für eine Nachfrage, die Sie nicht brauchen.
Wann sich ein Zertifikat lohnt
Vier Fälle, in denen die Antwort ja lautet.
Sie arbeiten bereits mit dem Produkt und wollen die Lücken schließen. Der Nutzen liegt dann im Lernen, nicht im Nachweis.
Die Ausschreibung verlangt es ausdrücklich. Das kommt vor allem bei Agenturen mit Partnerstatus vor.
Sie wechseln die Disziplin und brauchen einen Beleg für ernsthafte Beschäftigung, solange noch keine Arbeitsprobe vorliegt. Dann ist das Zertifikat eine Brücke – und nur eine.
Ihr Arbeitgeber zahlt und stellt frei. Dann ist die Frage nach dem Wert zweitrangig; nehmen Sie mit, was Sie bekommen.
Im Zweifel gilt: Ein Zertifikat ersetzt niemals eine Arbeitsprobe. Wer die Wahl hat zwischen zwei Wochenenden Prüfungsvorbereitung und zwei Wochenenden für ein echtes kleines Mandat, sollte das Mandat nehmen – die Begründung steht unter Portfolio ohne Berufserfahrung.
Was ein Zertifikat kostet – und was die Zeit kostet
Die Gebühren sind der kleinere Teil der Rechnung. Einige Anbieterzertifikate sind kostenlos, andere kosten eine Prüfungsgebühr im zwei- bis dreistelligen Bereich; die konkreten Beträge und die Gültigkeitsdauer legen die Anbieter fest und ändern sie gelegentlich, weshalb dieser Text keine Zahlen nennt.
Der größere Posten ist die Zeit. Rechnen Sie für ein Anbieterzertifikat mit einigen Tagen Vorbereitung, wenn Sie mit dem Produkt schon arbeiten, und mit deutlich mehr, wenn nicht. Für eine Kammerfortbildung mit Prüfung rechnen Sie in Jahren und mit Kursgebühren im vierstelligen Bereich – dafür gibt es dort Förderwege, etwa das Aufstiegs-BAföG, über die die Kammern und die Bundesagentur informieren.
Vergleichen Sie ehrlich: Dieselben vierzig Stunden können ein Zertifikat ergeben oder ein kleines Mandat mit einem messbaren Ergebnis. In einem Bewerbungsverfahren dieses Feldes gewinnt das Mandat.
Und klären Sie, wer zahlt. Viele Arbeitgeber übernehmen Gebühren und stellen frei; danach zu fragen, kostet nichts und gehört ohnehin in jedes Einstellungsgespräch – siehe Gehalt verhandeln. Achten Sie dabei auf Rückzahlungsklauseln: Sie sind bei teuren Fortbildungen üblich und nur in bestimmten Grenzen wirksam.
Wann ein Zertifikat schadet
Es gibt diesen Fall, und er wird selten benannt. Eine Bewerbung, in der fünf Anbieterzertifikate prominent stehen und keine Arbeitsprobe, wird als das gelesen, was sie meistens ist: ein Versuch, fehlende Praxis zu überdecken. Der Effekt ist das Gegenteil des beabsichtigten.
Setzen Sie Zertifikate deshalb an die richtige Stelle: eine Zeile am Ende des Lebenslaufs, mit Jahr, ohne Erläuterung. Das Gewicht der Bewerbung liegt auf der Mappe und den belegten Ergebnissen – siehe Kennzahlen im Lebenslauf und Portfolio aufbauen.
Woran Sie einen unseriösen Kursanbieter erkennen
Für die Weiterbildung in diesem Feld gibt es keine Aufsicht: Jeder darf Kurse anbieten und „Zertifikat" darüberschreiben. Fünf Warnzeichen genügen zur Einordnung.
Eine Jobgarantie – niemand kann sie geben, weil niemand die Stellen vergibt. Ein Preis, der erst im Beratungsgespräch genannt wird. Ein Abschluss, dessen Bezeichnung an einen geschützten Titel erinnert, ohne einer zu sein. Werbung mit Gehaltsangaben ohne Quelle und Erhebungsjahr. Und das entscheidende Merkmal: Am Ende des Kurses steht keine Arbeit, die Sie vorzeigen können.
Der Gegentest ist einfach. Fragen Sie vor der Buchung: Was habe ich am Ende in der Hand, das in eine Bewerbungsmappe passt? Wenn die Antwort ein PDF ist, war es ein Kauf. Wenn es drei fertige Arbeiten sind, war es eine Investition.
Wer arbeitslos gemeldet ist, sollte vor jeder Buchung mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter sprechen. Für Weiterbildungen, die über einen Bildungsgutschein gefördert werden, gelten eigene Zulassungsanforderungen an Träger und Maßnahme – das ist die einzige äußere Qualitätsprüfung, die es in diesem Bereich gibt.
Was in diesem Feld mehr zählt als jedes Zertifikat
Vier Dinge, in dieser Reihenfolge.
Belegte Ergebnisse mit Ausgangswert, Zeitraum und Mitteleinsatz. Eine Mappe, die zeigt, was Sie entschieden haben. Verantwortung, die im Arbeitszeugnis benannt ist – Budget, Kanal, Team. Und Menschen, die für Sie sprechen: Eine Referenz mit Namen und Telefonnummer wirkt in diesem Feld stärker als jede Urkunde.
Wer beides hat, nennt die Zertifikate beiläufig. Wer nur Zertifikate hat, sollte die nächsten drei Monate anders verbringen.
Die Fortbildungen mit echtem Gewicht
Damit der Text nicht nur abrät: Es gibt Fortbildungen, die auf diesem Arbeitsmarkt tatsächlich etwas verändern.
Kammerfortbildungen mit Prüfung sind in größeren Häusern und im öffentlichen Dienst für Führungsaufgaben von Bedeutung; sie sind aufwendig, berufsbegleitend machbar und beruhen auf einer Rechtsverordnung. Ein berufsbegleitendes Studium ist der zweite Weg, besonders für alle, die über eine Ausbildung gekommen sind – siehe Marketing studieren.
Und der dritte, der am seltensten als Fortbildung bezeichnet wird: ein Stellenwechsel in eine Aufgabe, die Sie noch nicht können. Die Lernkurve dort ist steiler als in jedem Kurs, und am Ende steht eine Arbeitsprobe statt einer Urkunde. Was dabei zu bedenken ist, steht unter Spezialisieren oder breit bleiben.
Wie Sie Nachweise im Lebenslauf anordnen
Eine Reihenfolge, die sich bewährt hat: zuerst die Stationen mit Verantwortung und belegten Ergebnissen, dann der Abschluss, dann in einer knappen Zeile die Zertifikate mit Jahr, dann Sprachen und Systeme. Wer die Reihenfolge umdreht, lenkt die Aufmerksamkeit auf den schwächsten Teil seiner Bewerbung. Und streichen Sie alles, was älter als fünf Jahre und abgelaufen ist – eine gepflegte kurze Liste wirkt sorgfältiger als eine lange vollständige.
Der nächste Schritt
Sehen Sie zwanzig Ausschreibungen durch und zählen Sie, in wie vielen ein bestimmtes Zertifikat tatsächlich verlangt wird. Das Ergebnis überrascht die meisten und beantwortet die Frage besser als jeder Ratgeber. Die offenen Stellenangebote sind der Ausgangspunkt, die Stellen im Bereich SEA und die Stellen im Bereich Performance der Ausschnitt, in dem Anbieterzertifikate am häufigsten vorkommen. Was in dieser Richtung gezahlt wird, steht unter Gehalt in SEO, SEA und Performance Marketing.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.