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Einstieg und Ausbildung

Das Volontariat in der Kommunikation: geordneter Einstieg oder billige Stelle

Für Menschen mit fachfremdem Abschluss ist das Volontariat der geordnetste Weg in dieses Feld – wenn es eines ist. Was ein echtes Volontariat ausmacht, was es rechtlich ist, wie es vergütet wird und woran Sie eine Etikettierung erkennen.

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Wer einen Hochschulabschluss ohne Fachbezug hat und in die Kommunikation will, findet im Volontariat den geordnetsten Übergang, den dieses Feld kennt. Es ist verbreitet in Pressestellen, Verbänden, Stiftungen, Agenturen, Verlagen und Medienhäusern, dauert in der Regel zwölf bis vierundzwanzig Monate und ist als Ausbildungsphase gedacht: Sie lernen unter Anleitung und arbeiten zugleich mit. So weit die Idee. In der Praxis reicht die Spanne von einer sorgfältig aufgebauten Ausbildung bis zu einer regulären Stelle mit gekürztem Gehalt, und der Unterschied ist vor der Unterschrift erkennbar.

Was ein Volontariat rechtlich ist

Es gibt kein Gesetz, das den Begriff für die Unternehmenskommunikation regelt, und keine staatliche Prüfung am Ende. Das unterscheidet es grundlegend von einer dualen Ausbildung wie der zum Kaufmann für Marketingkommunikation.

Rechtlich handelt es sich um ein Arbeitsverhältnis mit Ausbildungszweck. Daraus folgt: Sie sind Arbeitnehmerin mit Urlaubsanspruch, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigungsschutz nach den allgemeinen Regeln, und es gilt der gesetzliche Mindestlohn. Die Ausnahmen vom Mindestlohn, die für bestimmte Praktika gelten, greifen hier nicht – ein Volontariat ist kein Praktikum. Wer eine Vergütung unterhalb des Mindestlohns angeboten bekommt, sollte das ansprechen; die Einzelheiten stehen unter Werkstudenten- und Praktikumsvertrag.

Eine Ausnahme bildet der journalistische Bereich: Für Volontariate an Tageszeitungen bestehen Tarifverträge, die Dauer, Ausbildungsinhalte und Vergütung regeln. Wer in einem tarifgebundenen Verlag volontiert, hat damit einen Maßstab, den es in der übrigen Kommunikationsbranche nicht gibt – siehe Was das Gehalt im Marketing bestimmt.

Woran Sie ein echtes Volontariat erkennen

Sechs Merkmale, und sie lassen sich alle vor der Zusage erfragen.

  • Ein schriftlicher Ausbildungsplan. Welche Stationen, welche Dauer, welche Inhalte. Gibt es ihn nicht, gibt es kein Volontariat.
  • Eine benannte Person, die anleitet, mit Zeit für regelmäßige Gespräche. „Das machen wir alle gemeinsam" bedeutet: niemand.
  • Mehrere Stationen. Presse, Interne Kommunikation, Social Media, Veranstaltungen, gegebenenfalls Agenturseite oder Redaktion. Ein Volontariat, das zwölf Monate an einem Schreibtisch stattfindet, ist eine Stelle.
  • Freistellung für Seminare. Externe Fortbildungen sind in guten Volontariaten vorgesehen und werden vom Haus bezahlt.
  • Eine feste Dauer mit Aussicht. Zwei Jahre sind üblich; dazu gehört ein Gespräch spätestens ein halbes Jahr vor dem Ende über das, was danach kommt.
  • Ein qualifiziertes Zeugnis am Ende, in dem die Stationen einzeln aufgeführt sind.

Fehlen mehr als zwei davon, ist das Wort Volontariat eine Etikettierung. Sie erkennen sie außerdem an drei Sätzen: „Bei uns lernt man am schnellsten, indem man einfach macht." „Einen festen Plan gibt es nicht, dafür ist es bei uns zu dynamisch." Und: „Nach dem Volontariat sehen wir weiter."

Wie ein Volontariat abläuft

Der übliche Aufbau folgt einer Bewegung vom Zuarbeiten zum Verantworten, und er lässt sich in drei Abschnitte teilen.

In den ersten Monaten geht es um Handwerk und Häuserkunde: Pressemitteilungen schreiben und redigieren, Verteiler pflegen, Anfragen von Journalisten aufnehmen, Termine vorbereiten, Beiträge für die internen und externen Kanäle erstellen. Parallel lernen Sie, wer im Haus worüber sprechen darf – in Kommunikationsabteilungen ist das die erste und wichtigste Landkarte.

In der Mitte kommen eigene Zuständigkeiten dazu: ein Format, ein Kanal, eine wiederkehrende Veröffentlichung, die Betreuung einer Veranstaltung. Dies ist der Abschnitt, in dem ein echtes Volontariat sich von einer Hilfsstelle unterscheidet – wer nach zwölf Monaten nichts hat, das ohne ihn nicht liefe, sollte das ansprechen.

Im letzten Abschnitt geht es um Themen, die Fehlerfolgen haben: Krisenkommunikation, Abstimmung mit der Rechtsabteilung, Aussagen gegenüber Medien, Freigaben durch die Geschäftsführung. Wer diesen Abschnitt durchlaufen hat, kann anschließend in eine Stelle mit eigener Verantwortung wechseln.

Die Stationen außerhalb der eigenen Abteilung sind der Teil, der am häufigsten gestrichen wird – und der wertvollste. Eine Hospitation in einer Redaktion, bei einer Agentur oder im Vertrieb verändert den Blick auf die eigene Arbeit mehr als jedes Seminar.

Die Vergütung

Volontariate gehören zu den am schlechtesten bezahlten Stellen dieses Feldes, und das ist der ehrliche Befund. Die Begründung – Sie werden ausgebildet und leisten deshalb weniger – trägt im ersten Halbjahr und danach immer weniger.

Prüfen Sie zwei Dinge. Erstens den Mindestlohn, auf die tatsächliche Arbeitszeit gerechnet und nicht auf die vertragliche. Zweitens, ob die Vergütung während des Volontariats steigt: Ein Haus, das im zweiten Jahr mehr zahlt, hat verstanden, dass Sie dann mehr können.

Verhandeln Sie außerdem über Posten, die leichter zu bekommen sind als Geld: Urlaubstage, Seminarbudget mit Freistellung, die Erlaubnis, Arbeiten in der eigenen Mappe zu zeigen. Der letzte Punkt ist in diesem Feld bares Geld – siehe Urheberrecht an eigenen Arbeiten.

Die Bewerbung um ein Volontariat

Sie folgt denselben Regeln wie jede andere Bewerbung in diesem Feld, mit einer Verschiebung: Berufserfahrung wird nicht erwartet, Schreibfähigkeit schon. Erwarten Sie deshalb eine Textprobe oder eine Aufgabe – häufig eine Pressemitteilung, ein Beitrag oder die Zusammenfassung eines komplizierten Sachverhalts auf eine Seite.

Legen Sie trotzdem eine Mappe bei. Drei bis fünf Arbeiten reichen, und sie dürfen aus dem Studium, einem Ehrenamt oder einem Eigenprojekt stammen; welche Arbeiten zählen, steht unter Portfolio ohne Berufserfahrung. Eine Bewerbung mit Arbeitsproben hebt sich in diesem Bewerberkreis stark ab, weil die meisten nur Zeugnisse schicken.

Im Anschreiben zählt ein Absatz mehr als alle anderen: warum dieses Haus. Für eine Pressestelle einer Klinik, eines Verbands oder eines Industrieunternehmens gelten verschiedene Antworten, und wer sie nicht geben kann, wirkt austauschbar. Der Aufbau steht unter Die Bewerbung in Marketing und Kommunikation.

Was Sie im Volontariat mitnehmen sollten

Drei Dinge, systematisch und vom ersten Monat an.

Arbeitsproben. Sichern Sie nach jedem abgeschlossenen Stück Ergebnis, Datum, Kennzahl und drei Sätze zur Aufgabe. Klären Sie schriftlich, was Sie später zeigen dürfen.

Ein Netz. Volontariate führen durch mehrere Abteilungen und oft zu externen Partnern. Die Menschen, die Sie dort kennenlernen, sind der Grund, aus dem viele nach dem Volontariat eine Stelle finden, ohne sich zu bewerben.

Ein qualifiziertes Zeugnis. Verlangen Sie, dass die Stationen einzeln aufgeführt sind. Ein Zeugnis, in dem nur „Volontariat" steht, ist im nächsten Bewerbungsverfahren wenig wert.

Danach: Übernahme oder Wechsel

Sprechen Sie die Frage spätestens sechs Monate vor dem Ende an, mit einer konkreten Formulierung: Gibt es zum Zeitpunkt X eine Stelle, und was müsste bis dahin erfüllt sein? Häuser planen Stellen mit langem Vorlauf.

Wenn eine Übernahme kommt, verhandeln Sie neu und leiten Ihre Zahl nicht aus der Volontariatsvergütung ab – das ist der häufigste Grund, aus dem Menschen nach einem Volontariat jahrelang unter Wert liegen. Der Weg dahin steht unter Gehalt verhandeln.

Wenn keine kommt, sind Sie nicht Berufsanfängerin, sondern jemand mit ein bis zwei Jahren Praxis in mehreren Disziplinen. Das ist auf diesem Arbeitsmarkt eine gute Ausgangslage, besonders für die Unternehmensseite.

Was Sie vor der Zusage klären

Fünf Punkte, die sich in einem Gespräch klären lassen und danach nicht mehr. Ob der Ausbildungsplan Bestandteil des Vertrags ist oder eine Absichtserklärung. Wie viele Wochenstunden vereinbart sind und wie mit Mehrarbeit verfahren wird – in Pressestellen fallen Abendtermine und Veranstaltungen an. Ob Seminarkosten und Freistellung übernommen werden. Ob Sie eigene Arbeiten später zeigen dürfen. Und ob es im Haus weitere Volontärinnen gibt, mit denen Sie vorher sprechen können.

Das letzte ist der wirksamste Prüfstein: Ein Haus, das ein Gespräch mit der aktuellen Volontärin ermöglicht, hat nichts zu verbergen.

Für wen sich das Volontariat nicht lohnt

Für alle, die bereits Berufserfahrung in diesem Feld haben – dann ist es ein Rückschritt in Verantwortung und Gehalt. Für Studierende, die eine Werkstudentenstelle bekommen können: Die ist besser bezahlt, führt oft direkt zur Übernahme und lässt sich mit dem Studium verbinden, siehe Werkstudent als Einstieg. Und für alle, die eine gestalterische oder technische Richtung anstreben – dort führen Ausbildung und Praxis schneller zum Ziel.

Der nächste Schritt

Fragen Sie bei jedem Volontariat, das Sie in Betracht ziehen, nach dem Ausbildungsplan und nach der Zahl der Übernahmen in den letzten drei Jahren. Zwei Antworten genügen für eine Entscheidung.

Sehen Sie sich parallel an, welche Häuser überhaupt ausbilden: die offenen Stellenangebote geben den Überblick, die Stellen im Volontariat und die Stellen in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit den engeren Ausschnitt.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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