Neben der kaufmännisch geprägten Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation gibt es in diesem Feld einen zweiten geordneten Weg, und er führt über das Handwerk: Mediengestalterin und Mediengestalter Digital und Print ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz, dual, drei Jahre, mit Abschlussprüfung vor einer Industrie- und Handelskammer. Wer entwerfen, setzen, aufbereiten und produzieren will, findet hier die Ausbildung, die das tatsächlich lehrt – und nicht in einem Kurs über Gestaltungsprogramme.
Was der Beruf umfasst
Mediengestalterinnen setzen Kommunikationsaufträge technisch und gestalterisch um. Der Beruf reicht von der Idee über den Entwurf bis zur ausgabefertigen Datei: Layouts für Print und Bildschirm, Typografie, Bildbearbeitung und Freistellung, Farb- und Druckvorstufe, Datenaufbereitung für verschiedene Ausgabewege, Vorlagen und Gestaltungsraster, häufig auch Grundlagen der Umsetzung im Web.
Der Unterschied zum kaufmännischen Beruf ist klar gezogen: Dort geht es um Beratung, Planung, Kalkulation und Steuerung; hier um die Herstellung. In Agenturen und Medienhäusern arbeiten beide Berufe nebeneinander, und dass es zwei gibt, hat einen Grund – die Arbeit teilt sich tatsächlich so.
Die Fachrichtungen
Der Beruf ist in Fachrichtungen gegliedert, und die Wahl fällt mit dem Ausbildungsvertrag. Verbreitet sind die Fachrichtungen Beratung und Planung, Konzeption und Visualisierung sowie Gestaltung und Technik; welche Fachrichtungen und welche Schwerpunkte ein Betrieb anbietet, hängt davon ab, was er selbst macht.
Grob lässt sich sagen: Beratung und Planung liegt näher an Kunde und Auftrag, Konzeption und Visualisierung näher am Entwurf, Gestaltung und Technik näher an der Produktion und der Datentechnik. Für die spätere Laufbahn ist die Wahl weniger entscheidend, als sie beim Vertragsabschluss wirkt – der Betrieb prägt mehr als die Fachrichtung. Lesen Sie vor der Unterschrift trotzdem die Ausbildungsordnung; sie ist öffentlich und beantwortet in einer halben Stunde, was sonst offenbleibt.
Wo ausgebildet wird
Der Kreis der Ausbildungsbetriebe ist breiter als beim kaufmännischen Beruf und liegt teilweise außerhalb dessen, was man zuerst vermutet: Werbe- und Designagenturen, Druckereien und Medienhäuser, Verlage, Werbe- und Marketingabteilungen größerer Unternehmen, Vermarkter, Fotostudios, Dienstleister der Druckvorstufe.
Das ist ein Vorteil, weil es mehr Plätze gibt als im kaufmännischen Beruf, und zugleich der Punkt, an dem Sie genau hinsehen sollten: Eine Ausbildung in einer Druckerei sieht anders aus als eine in einer Digitalagentur, und beide führen zu demselben Abschluss. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch, welche Aufträge das Haus tatsächlich bearbeitet und mit welchen Systemen gearbeitet wird.
Zugang, Dauer und Vergütung
Eine bestimmte Schulbildung ist rechtlich nicht vorgeschrieben; die Betriebe stellen überwiegend mit mittlerem Abschluss oder Abitur ein. Fast alle verlangen eine Mappe mit eigenen Arbeiten – Zeichnungen, Layouts, Fotos, gestaltete Schulprojekte –, und viele lassen eine kleine Aufgabe vorab lösen. Das ist die erste Begegnung mit dem Prinzip dieses Feldes: Es wird gezeigt, nicht behauptet. Worauf es dabei ankommt, steht unter Portfolio aufbauen.
Die Regelausbildungszeit beträgt drei Jahre; eine Verkürzung ist unter den Voraussetzungen des Berufsbildungsgesetzes möglich und wird von der Kammer auf Antrag entschieden. Eine Ausbildungsvergütung ist Pflicht und muss angemessen sein; für Ausbildungsverhältnisse gilt zudem die gesetzliche Mindestvergütung, und in tarifgebundenen Betrieben – in der Druck- und Medienwirtschaft kommt das häufiger vor als in Agenturen – gilt die tarifliche Regelung. Konkrete Beträge nennt dieser Text nicht, weil sie sich jährlich ändern.
Der Alltag in der Ausbildung
Die ersten Monate bestehen aus Zuarbeit: Reinzeichnung, Bildbearbeitung, Anpassung vorhandener Layouts auf andere Formate, Dateien für die Produktion vorbereiten. Das ist die Grundlage des Berufs, und wer sie überspringt, merkt es später an jeder fehlerhaften Druckdatei.
Ab dem zweiten Jahr sollten eigene Entwürfe dazukommen, eigene Kundenaufträge in kleinem Umfang, Teilnahme an Abstimmungen. Wenn das ausbleibt, ist das ein Gesprächsanlass – mit dem Ausbilder und nötigenfalls mit der Ausbildungsberatung der Kammer.
Die Berufsschule behandelt neben Gestaltung und Medientechnik auch Kalkulation, Recht und Wirtschaftskunde. Besonders die rechtlichen Anteile werden unterschätzt und sind später täglich relevant: Bildrechte, Schriftlizenzen, Nutzungsrechte. Was davon in die eigene Mappe hineinspielt, steht unter Urheberrecht an eigenen Arbeiten.
Was der Abschluss auf dem Arbeitsmarkt wert ist
Ehrlich betrachtet zwei Dinge. Er ist ein solider, anerkannter Nachweis handwerklicher Fähigkeit – und er ist in den Ausschreibungen dieses Portals seltener ausdrücklich verlangt, als die Zahl der Ausgebildeten vermuten ließe. Gestalterische Stellen machen im Bestand einen kleinen Anteil aus; der weitaus größere Teil der Anzeigen liegt in Unternehmenskommunikation, Social Media, Content und Performance.
Daraus folgt kein Abraten, sondern eine Empfehlung zur Breite. Wer die Ausbildung macht und parallel lernt, Inhalte zu planen, Kanäle zu betreuen und Ergebnisse zu messen, ist auf diesem Arbeitsmarkt außergewöhnlich gut aufgestellt: Die Verbindung aus gestalterischem Handwerk und Verständnis für Wirkung ist selten, und sie ist in kleinen Häusern, die eine Person für alles suchen, genau das Gesuchte.
Was die Ausbildung nicht lehrt – und wo Sie das nachholen
Drei Lücken sind typisch, und alle drei lassen sich während der Ausbildung nebenher schließen.
Die erste ist die Messung. Ausgebildet wird auf Herstellung, nicht auf Wirkung. Wer nach drei Jahren nicht sagen kann, ob eine Seite funktioniert hat, hat ein Handwerk gelernt und keine Kommunikationsaufgabe. Sehen Sie sich früh an, wie ein Analysewerkzeug aufgebaut ist und was eine Conversion in Ihrem Betrieb bedeutet.
Die zweite ist der Text. In kleinen Häusern schreibt derselbe Mensch, der gestaltet – und Gestaltung ohne brauchbaren Text ist eine leere Hülle. Übernehmen Sie Texte, wo Sie können, und lassen Sie sie gegenlesen.
Die dritte ist der Umgang mit Kunden und Freigaben. In der Fachrichtung Beratung und Planung ist das Teil der Ausbildung, in den anderen nicht zwingend. Bitten Sie darum, bei Kundenterminen dabei zu sein, auch als Zuhörer.
Ein vierter Punkt betrifft die Mappe: Sammeln Sie von Anfang an. Nach jedem abgeschlossenen Auftrag drei Dinge in einen Ordner – das Ergebnis, das Datum, drei Sätze zur Aufgabe. Am Ende der Ausbildung haben Sie damit eine Mappe, für die andere Monate brauchen, und beim Wechsel nach der Übernahme ist sie die Grundlage jeder Bewerbung. Wie sie aufgebaut wird, steht unter Portfolio aufbauen.
Wie es nach der Ausbildung weitergeht
Im Betrieb bleiben. Die Übernahme ist der häufigste Fall, danach der Weg über die fachliche Verantwortung für Projekte oder Kunden. Der Unterschied zwischen Agentur und Unternehmensseite ist unter Agentur oder Unternehmen beschrieben.
Fortbilden. Auf den Abschluss setzen Fortbildungen der Kammern auf, etwa zum Medienfachwirt; daneben sind spezialisierte Wege verbreitet – Bewegtbild, Benutzeroberflächen, Barrierefreiheit, Produktionstechnik.
Studieren. Mit Ausbildung und Berufserfahrung ist ein Studium auch ohne Abitur möglich; die Regeln setzen die Länder und Hochschulen. Was das bringt, steht unter Marketing studieren.
Selbstständig arbeiten. In diesem Beruf verbreitet und früher möglich als in vielen anderen. Was es an Kalkulation verlangt, steht unter Honorar und Tagessatz.
Die Belastung, über die selten gesprochen wird
Zwei Punkte gehören in eine ehrliche Beschreibung. Der erste ist die Bildschirmarbeit: acht Stunden vor einem Monitor in konzentrierter Feinarbeit, oft mit Zeitdruck. Was dagegen hilft und was der Arbeitgeber dabei schuldet, steht unter Bildschirmarbeit und Homeoffice.
Der zweite ist die Korrekturschleife. Gestaltung wird von Menschen beurteilt, die selten begründen können, was sie stört. Mit dieser Art von Rückmeldung umzugehen, ohne sie persönlich zu nehmen und ohne beliebig zu werden, ist ein Teil des Berufs, den keine Ausbildungsordnung beschreibt. In Agenturen kommt der Termindruck hinzu – siehe Agenturdruck und Deadlines.
Vier Fragen an den Ausbildungsbetrieb
Wer ist mein Ausbilder, und wie viel Zeit ist für die Anleitung vorgesehen? Welche Fachrichtung und welchen Schwerpunkt sieht der Vertrag vor, und warum diesen? Arbeite ich ab dem zweiten Jahr an eigenen Aufträgen? Und wie viele der zuletzt Ausgebildeten wurden übernommen?
Die letzte Frage ist die aussagekräftigste – ein Betrieb, der seine Leute behält, hat dafür einen Grund.
Der nächste Schritt
Legen Sie eine Mappe an, bevor Sie sich bewerben: fünf bis acht eigene Arbeiten mit je drei Sätzen dazu, was die Aufgabe war und was Sie entschieden haben. Sehen Sie sich parallel an, welche Häuser in Ihrer Region überhaupt gestalterisch arbeiten – die offenen Stellenangebote geben den Überblick, die Stellen in der Mediengestaltung und die Ausbildungsstellen den engeren Ausschnitt. Die Rolle selbst beschreibt die Berufsseite Mediengestaltung und Grafik.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.