Wer die Ausschreibungen dieses Feldes durchsieht, stößt schnell auf eine Auffälligkeit: Werkstudentenstellen sind hier deutlich häufiger als in vielen anderen kaufmännischen Bereichen. Das ist keine Marotte einzelner Häuser, sondern eine Aussage über den Arbeitsmarkt – und wer sie liest, versteht den Einstieg in Marketing und Kommunikation besser als aus jedem Ratgeber über Bewerbungsmappen.
Was die Häufigkeit dieser Stellen bedeutet
Drei Dinge, und alle drei sind für Ihre Planung nützlich.
Erstens bilden Häuser in diesem Feld ihren Nachwuchs überwiegend selbst aus, weil es keinen Abschluss gibt, auf den sie sich verlassen könnten. Wer niemanden fertig einkaufen kann, baut ihn auf. Die Werkstudentenstelle ist das Instrument dafür.
Zweitens ist ein erheblicher Teil der laufenden Arbeit teilbar und gut anleitbar: Beiträge vorbereiten, Inhalte einpflegen, Auswertungen zusammenstellen, Veranstaltungen betreuen, Newsletter aufsetzen. Das lässt sich in zwanzig Wochenstunden sinnvoll erledigen.
Drittens ist der Weg über eine Werkstudentenstelle für viele Häuser der einzige verlässliche Zugang zu Berufsanfängern – und für Sie umgekehrt der zuverlässigste Zugang zu einer Festanstellung. Die Übernahme nach dem Abschluss ist in diesem Feld nicht die Ausnahme, sondern ein eingeübter Weg.
Was eine Werkstudentenstelle rechtlich ist
Der Begriff steht in keinem Gesetz als eigene Vertragsart. Gemeint ist ein regulärer Arbeitsvertrag in Teilzeit, der neben einem Studium ausgeübt wird. Sie sind Arbeitnehmerin mit allem, was dazugehört: Anspruch auf Urlaub, auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, auf Mindestlohn, auf ein Zeugnis.
Der Unterschied liegt in der Sozialversicherung. Wer neben dem Studium arbeitet und dabei in der Vorlesungszeit nicht mehr als zwanzig Stunden in der Woche eingesetzt wird, bleibt unter bestimmten Voraussetzungen in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung beitragsfrei; in der Rentenversicherung besteht Beitragspflicht. Das ist das sogenannte Werkstudentenprivileg – für Sie bedeutet es netto spürbar mehr, für den Arbeitgeber niedrigere Abgaben, und genau deshalb sind diese Stellen so verbreitet.
Die Zwanzig-Stunden-Grenze gilt in der Vorlesungszeit; in der vorlesungsfreien Zeit ist unter bestimmten Bedingungen mehr möglich. Die Einzelheiten und die Fallstricke – Befristung, Probezeit, Kündigung, Arbeitszeit – stehen unter Werkstudenten- und Praktikumsvertrag.
Wichtig ist der Umkehrschluss: Das Privileg setzt voraus, dass das Studium im Vordergrund steht. Wer die Stelle nach dem Abschluss unverändert weiterführt, ist kein Werkstudent mehr – dann muss der Vertrag angepasst werden.
Was eine gute von einer schlechten Stelle unterscheidet
Nicht jede dieser Stellen ist ein Einstieg. Manche sind schlicht billige Zuarbeit.
Eine gute Werkstudentenstelle erkennen Sie an vier Merkmalen. Es gibt einen eigenen Verantwortungsbereich, auch einen kleinen – ein Kanal, ein Format, eine wiederkehrende Auswertung. Es gibt eine benannte Person, die anleitet, und Zeit dafür. Es gibt Zugang zu den Systemen, in denen wirklich gearbeitet wird, und nicht nur zu einer Tabelle. Und es gibt eine Rückmeldung in geregelten Abständen.
Eine schlechte erkennen Sie ebenso zuverlässig: Die Aufgaben wechseln je nach Tagesbedarf, es gibt keine feste Ansprechperson, die Arbeit besteht aus Datenpflege ohne Zusammenhang, und auf die Frage nach Übernahmen der letzten Jahre kommt eine ausweichende Antwort.
Die Fragen für das Gespräch
Fünf, und sie kosten nichts. Welchen Bereich verantworte ich selbst? Wer leitet mich an, und wie oft sprechen wir? Welche Systeme bekomme ich, und ab wann? Wie viele Werkstudierende wurden in den letzten drei Jahren übernommen? Und: Wie flexibel ist die Arbeitszeit in der Prüfungsphase?
Die vierte Frage ist die wichtigste. Wenn ein Haus sie nicht beantworten kann oder will, ist die Stelle keine Vorstufe zu etwas, sondern eine Stelle.
Studium und Stelle nebeneinander
Der Punkt, an dem diese Einstiegsform tatsächlich scheitert, ist selten die Arbeit und fast immer die Gleichzeitigkeit. Zwanzig Stunden neben einem Vollzeitstudium sind ein halber Beruf, und sie fallen ausgerechnet in den Wochen an, in denen auch Prüfungen liegen.
Drei Vorkehrungen helfen, und sie gehören in das erste Gespräch und nicht in den dritten Monat. Erstens eine Regelung für die Prüfungsphase: Reduzierung, Verschiebung der Stunden oder unbezahlte Freistellung – schriftlich, mit einer Frist, bis wann Sie sie ankündigen müssen. Zweitens feste Tage statt verteilter Stunden; wer an zwei festen Tagen im Haus ist, arbeitet ruhiger als jemand, der jeden Nachmittag drei Stunden einschiebt. Drittens eine klare Absprache über Erreichbarkeit außerhalb dieser Tage.
Der letzte Punkt betrifft besonders Stellen im laufenden Kanalbetrieb. Wer die sozialen Kanäle eines Hauses mitbetreut, bekommt Nachrichten und Kommentare rund um die Uhr, und das Gefühl, zuständig zu sein, hört am Freitagabend nicht auf. Was daran regelbar ist, steht unter Ständige Erreichbarkeit im Social-Media-Betrieb.
Prüfen Sie außerdem, ob Ihre Prüfungsordnung ein Praxissemester oder ein Pflichtpraktikum vorsieht. Lässt sich die Werkstudentenstelle darauf anrechnen, sparen Sie ein halbes Jahr – das ist mit dem Prüfungsamt vorab zu klären und nicht hinterher.
Was Sie in der Stelle mitnehmen sollten
Die Bezahlung ist bei diesen Stellen selten das Entscheidende; entscheidend ist, was danach übrig bleibt. Zwei Dinge sollten Sie systematisch mitnehmen.
Erstens Arbeitsproben. Legen Sie vom ersten Monat an einen Ordner an und sichern Sie nach jedem abgeschlossenen Stück das Ergebnis, das Datum, die Kennzahl und drei Sätze zur Aufgabe. Klären Sie früh – am besten schriftlich –, was Sie später in einer Bewerbungsmappe zeigen dürfen; wie das geht, steht unter Urheberrecht an eigenen Arbeiten, der Aufbau der Mappe unter Portfolio aufbauen.
Zweitens Zahlen mit Bezugsgröße. Notieren Sie zu jeder Maßnahme den Ausgangswert, den Zeitraum und, wenn vorhanden, das Budget. Ohne diese drei Angaben ist die schönste Steigerung im Lebenslauf wertlos – siehe Kennzahlen im Lebenslauf.
Was eine Werkstudentenstelle zahlt
Es gilt der gesetzliche Mindestlohn; darüber hinaus gibt es keine allgemeine Regel, und die Spanne ist erheblich. Sie hängt an denselben Größen wie jedes andere Gehalt in diesem Feld: Branche, Größe des Hauses, Region und der Zuschnitt der Aufgabe. In tarifgebundenen Häusern – im öffentlichen Dienst etwa – gelten eigene Regelungen für studentische Beschäftigte.
Rechnen Sie ehrlich: Beitragsfreiheit in drei Zweigen der Sozialversicherung bedeutet, dass vom Bruttobetrag mehr übrig bleibt als bei einer gewöhnlichen Teilzeitstelle. Der Nettovergleich mit einem Nebenjob außerhalb des Studiums fällt deshalb oft anders aus, als der Stundensatz vermuten lässt.
Verhandeln lohnt sich trotzdem, und zwar mit demselben Vorgehen wie bei jeder anderen Stelle: mit einer Sammlung von Ausschreibungen und einem Beleg für das, was Sie mitbringen. Was dabei zu beachten ist, steht unter Einstiegsgehalt, Praktikum und Volontariat.
Wie aus der Stelle eine Übernahme wird
Selten von allein, und fast immer nach demselben Muster.
Sprechen Sie das Thema früh an, spätestens sechs Monate vor Ihrem Abschluss, und zwar mit einer konkreten Frage: Gibt es für den Zeitpunkt X eine Stelle, und was müsste bis dahin erfüllt sein? Häuser planen Stellen mit langem Vorlauf; wer zu spät fragt, erfährt, dass die Stelle im letzten Quartal vergeben wurde.
Übernehmen Sie nach Möglichkeit etwas, das ohne Sie nicht liefe – eine Auswertung, die die Geschäftsführung liest, ein Format, das läuft, einen Kanal mit Zahlen. Das ist kein Taktieren, sondern der Unterschied zwischen einer Hilfskraft und einer Zuständigkeit.
Und verhandeln Sie beim Übergang neu. Das Werkstudentengehalt ist keine Grundlage für das erste Festgehalt; leiten Sie Ihre Zahl aus dem Markt her, wie unter Gehalt verhandeln beschrieben.
Wenn keine Übernahme kommt
Das ist kein Scheitern und in vielen Häusern schlicht eine Haushaltsfrage. Verlangen Sie in dem Fall drei Dinge: ein qualifiziertes Arbeitszeugnis mit einer genauen Tätigkeitsbeschreibung, die schriftliche Erlaubnis für Ihre Arbeitsproben und, wenn das Verhältnis gut war, die Zusage für eine Referenzauskunft mit Namen und Telefonnummer.
Mit diesen drei Dingen bewerben Sie sich nicht mehr als Berufsanfänger, sondern als jemand mit ein bis zwei Jahren Praxis in einem echten Team. Das ist auf diesem Arbeitsmarkt ein anderer Ausgangspunkt.
Wer nicht studiert
Das Werkstudentenprivileg setzt eine Einschreibung voraus; ohne sie gibt es diesen Weg nicht. Für alle anderen führen die Wege über eine Ausbildung, ein Volontariat, eine kleine Stelle in einem kleinen Haus oder den Aufbau einer Mappe aus Eigenprojekten – zusammengetragen unter Quereinstieg in Marketing und Kommunikation und unter Portfolio ohne Berufserfahrung.
Der nächste Schritt
Sehen Sie sich zwanzig Werkstudentenausschreibungen an und achten Sie auf einen einzigen Punkt: Steht dort ein eigener Verantwortungsbereich oder eine Aufzählung von Zuarbeiten? Die offenen Stellenangebote geben den Überblick, die Stellen für Werkstudenten den engeren Ausschnitt. Und lesen Sie, was zwischen den Zeilen einer Anzeige steht: Stellenanzeige entschlüsseln. Der Bereich, in dem diese Stellen gebündelt sind, steht unter Studium und Berufseinstieg, die Rolle selbst auf der Berufsseite Studium und Berufseinstieg.
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